Donnerstag, etwa 22:05, Dortmund Hauptbahnhof, RE4 Richtung Hagen, leeres Abteil
Jörg blättert auf dem Rückweg aus Waltrop (sprich Nils und Jens) in der
iX.
Eine Tussi betritt das Abteil, gefolgt von einem etwas abgewrackten, älteren Typen. Blechernes Popkonservengeduddel quäck aus einem Mobilnervophon. Ihre Freundin beschwert sich derweil über das fehlende Licht auf der Zugtoilette.
Typ: “Tja, Pech!”
Tussi: “Ne, Schicksal!”
Typ: “Ja, die Bahn hat ja auch kein Geld mehr.”
Tussi: “Ja, baoh!? Warum zahlen wir eigentlich Steuern?”
Typ: “Gibt ja überall Entlassungen!”
Tussi: “Ja, wird alles teurer.”
...
Den Rest dieses kultivierten, tiefsinnigen Dialoges habe ich dann durch das Lachen unterbrochen, dass ich nicht mehr an mich halten konnte. :o)
Tussi: “Waaaaas??? - Wer lacht da?”
Ich bringe mein Lachen auf ein Grinsen runter. Der Typ greift ein paar herumfliegende Blätter der irgendeines Käseblattes und erzählt, während er das Abteil verlässt, in weiteren zusammhangslosen Sätzen wie schlecht es uns allen geht.
Tussi: “Was soll das? Warum lachst du?”
Jörg: “Was war das grad? Leere-Floskeln-Weitwurf?”
Tussi: “Häää?”
Ja, genau das habe ich mir gedacht. Die Freundin stolpert in den Raum und wirft sich ihr gegenüber auf die Sitzbank.
Tussi: “Ey, weißt du - nä. Der Typ grad so - nä - >>Pech<< und ich so >>Ne, Schicksal<< - weis’e? Und dann so” ... (
Jeder Leser mit mehr IQ als Tussi & Co, können diese Textlücke sicherlich selbst füllen.) ... “ und dann Typ da voll gelacht und so.”
Ach ja schön. Sitcom ganz ohne Fernsehen und auch noch mobil in der Bahn. Von wegen kein Geld. Die Birne wurde nicht ersetzt, weil für die paar Cent diese Unterhaltungskünstler engagiert wurden.
Unterhalten wurde ich dann übrigens mit ihrem ganzen Repertoire an Mucke auf ihrem kleinen Tamag... äh, Telefon. Geboten wurde mir ein wildes Intermezzo zeitgenössischen Popabfalls und musikalischer Ausschussware. Wobei nichts länger als 30 Sekunden angespielt wurde, aber bei der überaus guten Klangqualität der Darbietung verwusch dies sowieso alles zu einem Einheitsbrei. Vielleicht sollte es auch ein spontan geschnittenes Medley der aktuellen Bravo-Charts werden?
Nun, Cutmaster T. beendete dann das musikalische Zwischenspiel und setze wieder auf verbale Kommunikation durch einen Monolog mit mir.
“Normalerweise sind wir nicht so asi. Ehrlich! Ich schwör. - Aber morgen is Zeugnisausgabe. Ne da müssen wir das natürlich feiern. Wir sind jetzt nähmlich schon in der 13. Wir haben schon fast unser Abi, ey.”
Abi? Du? Ihr? - Vielleicht hatte der Typ doch recht.
“Fährst du auch in den Funpark? Funpark ist cool. Ist heute 1 Euro Party. Weißt du wie wir zum Funpark kommen?”
Mir wird einiges klarer ...
“Wir sind sonst echt nicht so. Ey, weißt du was die nächste Haltestelle ist? ...”
Ich und der “süße Student aus Witten” (stellte sich als Lagerfacharbeiter herraus

) wurde übrigens noch bis Hagen durch Gespräche und Gesang erheitert. Ab dort wurden dann alle männlichen Wesen gefragt ob sie nicht schwul wären und Lust hätten ihren Klassenkameraden zu entjungfern.
Am Busbahnhof nahmen sie dann zwangsweise einen andern Weg als ich. Ach, schön. Ruhe.
“Ey, du!? Weißt du wie man zum Funpark kommt?” ...