Es ist Montagmorgen, nach der Zeitumstellung und einem nicht gerade von Nüchternheit und Entbehrungen geprägtem Wochenende. Ich habe mich mittlerweile verschlafen vom Bett erhoben, auf dem ich gerade noch gelesen hatte, und bin in der Küche angekommen. Ich will den Tag langsam angehen.
Unsere Herzinfarkt-fördernde Killerklingel lässt meinen Kreislauf von 0,1 auf 100 schnellen. Wer will den um die Zeit was von mir? Auf dem Weg zum Türöffner, entschliesse ich mich zu einem Umweg über das Schlafzimmer, um mein Schlaf-Outfit wenigstens durch einen Morgenmantel abzurunden. Das wird prompt mit einem zweiten, ungeduldigem Klingeln quittiert. Muss ja scheinbar wichtig sein.
Leider ist unsere Gegensprechanlage nicht in Ordnung, so dass ich den Türöffner direkt betätigen muss. Einmal. Nichts. Zweimal. Hm? Doch schon wieder weg? Ich drücke noch ein drittes mal und das vertraute Geräusch der Haustür verrät mir, dass jemand endlich verstanden hat, wie man die Tür öffnet.
Ich horche weiter. Schaufen. Schwere Schritte. Ein Mann? Ne, mehrere. Frauenstimmen. Da scheint sich eine ganze Gruppe auf dem Weg nach oben zu befinden. Irgendetwas großes hat den ersten Stock erreicht. Ich werfe mal ein fragendes “Hallo?” in das Treppenhaus.
Mittlerweile hat sich die Frontfrau, der unüberhörebaren, aber doch überschauberen Zweiergruppe, bis zum Stockwerk 1 1/2 geschleppt. Ihre Fittness und ihre Körpermasse lassen mich beim ersten Anblick auf eine starke Kompension von irgendwas mittels Schokolade schliesse. Bei genauerem Hinsehen hat sie wohl einiges zu kompensieren.
“Hallo??”
Die zweite Person ist wohl auch weiblich, hat dunkle Haare und trägt ne große Hornbrille oder sowas in der Art. Soviel kann ich aus meinem Blickwinkel erkennen. Beide haben sich vermutlich in einem schlechten Second-Hand-Landen eingekleidet, dann die Hälfte auf dem Flohmarkt getauscht, den fehlenden Rest von Oma nähen lassen und das ganze mit einem ausgiebigem Einkaufbummel in einem esoterischen Weltverbesserungsladen abgerundet.
“Hallo!?!”
Ohne mich auch nur einmal anzusehen - sie stirrt die Wand an und scheint sich darauf zu konzentrieren nicht umzufallen - plappert die erste los. “Sie haben wohl -keuch- das erste Klin -keuch- geln nicht gehört.” Während sie nach Atem ringt, frage ich mich ob sie alle wildfremden Personen die sie um diese Zeit mit einem Besuch erfreut, so begrüsst.
“Wir wollten Sie fragen ob, ... - Oh!” Jetzt hat sie mich angesehen. Ihr Geischtsausdruck sagt mir deutlich, dass sie nun weiß, wie ungünstig die Situation gerade ist. Trotzdem: “Ähm, ob sie sich vorstellen können in einer Welt voller Frieden zu leben?” Sie krammt in einem kleinen Buch und zeigt mir irgendeine kitschige Darstellung von irgendeinen erleuchtetem irgendwas.
Da mein morgenlich-seriöses Äußeres, bestimmt nicht kein guter Standpunkt für eine lang Diskussion ist ... Stop. Seriösität ist kein Argument, wenn ich mir die beiden da so anschaue. Aber das Treppenhaus ist mir in dem Aufzug zu kalt.
“NEIN!”
Die Tür ist schon wieder zu, als sie anfängt ihren einstudierten Danke-Aber-Vielleicht-Text herunter zuleiern. Das Rumpeln im Treppenhaus hält noch eine Weile an.
Welt voller Frieden!? Die sollen froh sein, dass ich solche Ereignisse kompensieren kann, in dem ich friedlich in die Welt hinaus blogge.